Presse als Coach – da denken die meisten sofort an Spiegel, FAZ, ZEIT. Große Namen, großes Publikum, großer Traum. Und dann klopfen sie genau dort an, mit dem falschen Thema beim falschen Medium, und wundern sich, dass nie jemand zurückschreibt.
Inhaltsverzeichnis
Woran das liegt? Fast immer daran, dass der wichtigste Schritt schon lange vorher passiert, bevor du auch nur eine Redaktion anschreibst: zu verstehen, welches Medium überhaupt zu dir und deinem Schwerpunkt passt.
Mit deinem Coaching oder deiner Mail hat das erst mal wenig zu tun. Das ist ungelogen die halbe Miete – und fast niemand macht sich diese Arbeit.
Ich habe selbst jahrelang in Redaktionen gesessen, unter anderem bei einem Frauenmagazin und im Wirtschaftsressort.
Ich weiß deshalb ziemlich genau, was in einer Redaktion passiert, wenn da eine Mail von einem Coach aufschlägt.
Und ich sag dir: In neun von zehn Fällen entscheidet eine viel simplere Sache darüber, ob sie geöffnet oder gelöscht wird: Gehört das Thema überhaupt hierher?
(Wie du deine Pressearbeit als Coach dann konkret selbst machst – ganz ohne Agentur –, steht im großen Praxis-Leitfaden. Hier geht es einen Schritt davor: um die Medien selbst.)
Die fünf Medientypen – und was sie wirklich wollen
Presse ist nicht gleich Presse. Eine Lokalzeitung tickt komplett anders als das Handelsblatt, und ein Podcast will etwas völlig anderes von dir als ein Elternmagazin. Wer das durcheinanderwirft, verschwendet seine Zeit – und die der Redaktion gleich mit.
Hier die fünf Typen, die für dich als Coach relevant sind, in der Reihenfolge, in der ich sie dir ans Herz lege:
Lokalzeitung und Regionalmedien. Der unterschätzteste Einstieg überhaupt. Lokalredaktionen suchen händeringend nach Menschen aus der Region mit einer persönlichen Geschichte. Was sie interessiert, bist du – die Coachin aus dem Nachbarort, die etwas erlebt oder aufgebaut hat. Mit deiner abstrakten Methode können sie wenig anfangen. Und unterschätz die Reichweite bloß nicht: Laut dem Reuters Institute Digital News Report 2025 gehören Regional- und Lokalzeitungen zu den vertrauenswürdigsten Nachrichtenquellen des Landes überhaupt – nur den ARD-Nachrichten vertrauen die Menschen noch etwas mehr. Niedrigste Hürde, höchste Trefferquote. Wenn du noch nie in der Presse warst, fängst du hier an.
Fachpresse und Branchenmagazine. Hier zählt Expertise, hier zählen Zahlen, hier zählt Einordnung. Ein Redakteur beim Personalmagazin will wissen, wohin sich Führung entwickelt – und ob du das belegen kannst. Allgemeine Lebensratschläge fliegen sofort raus. Ideal, wenn du eine klare Nische hast – Führung, HR, Gesundheitswesen, Recht – und dich gezielt als Experte in einem Magazin positionieren willst.
Podcasts. Das dankbarste Format für Menschen, die gut erzählen. Ein Podcast-Host sucht Persönlichkeit, Haltung, jemanden mit Ecken und Kanten – und schenkt dir dafür Redezeit, von der du in keinem Printartikel träumen kannst. Glattgebügelte Statements langweilen hier zu Tode. Wenn du im Gespräch aufblühst, ist das dein Kanal. Und das Publikum wächst: Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2025 hören inzwischen 34 Prozent der Menschen ab 14 mindestens einmal pro Woche Podcasts, ein klarer Zuwachs gegenüber den Vorjahren.
Online-Magazine, Frauen- und Elternmagazine. Alltagsrelevanz schlägt alles. Die Leserin will konkrete Tipps in einer Sprache, die sie versteht – kein Fachjargon, keine Methoden-Vorträge. Ideal für dich, wenn dein Thema das Leben vieler Menschen direkt betrifft: Beziehung, Erziehung, Stress, Selbstzweifel. (Wie du es konkret in Cosmopolitan und ähnliche Magazine schaffst, habe ich in einer eigenen Podcast-Folge auseinandergenommen.)
Überregionale Tageszeitungen und Wirtschaftspresse. Der große Traum – und der zweite oder dritte Schritt, nie der erste. ZEIT, Süddeutsche und Handelsblatt wollen gesellschaftliche Relevanz, harte Zahlen, eine Gegenposition oder eine wirklich ungewöhnliche Geschichte. „Ich bin Coach und habe eine Methode“ reicht dafür nie. Eine nachgewiesene Expertise, ein Buch oder eine echte Nische schon eher.
Zur schnellen Orientierung:
| Medientyp | Will | Will nicht | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Lokal- & Regionalmedien | Menschen aus der Region, lokaler Bezug, persönliche Geschichten | abstrakte Methoden, überregionale Themen | jeden Coach am Anfang |
| Fachpresse & Branchenmagazine | Expertise, Zahlen, Trend-Einordnung | allgemeine Lebensratschläge | Coaches mit klarer Nische |
| Podcasts | Persönlichkeit, Haltung, ein guter Gesprächspartner | glattgebügelte Statements | Coaches, die gut erzählen |
| Online-, Frauen- & Elternmagazine | Alltagsrelevanz, konkrete Tipps, lesbare Sprache | Fachjargon, Methoden-Erklärungen | Coaches mit alltagsnahen Themen |
| Überregionale & Wirtschaftspresse | gesellschaftliche Relevanz, Zahlen, Prominenz oder extreme Nische | „Ich bin Coach mit einer Methode“ | Coaches mit Buch, Studie oder ungewöhnlicher Geschichte |
Welches Medium passt zu deinem Coaching-Thema?
Grob gilt: Dein Thema entscheidet, in welchem Ressort du landest – und damit, welches Medium du überhaupt ansprechen solltest.
Ein Karriere-Thema gehört in die Wirtschafts- und Karrierepresse, eine Burnout-Geschichte in die Frauenmagazine und Gesundheitsportale.
Wer sein Thema dem falschen Ressort anbietet, wird höflich weitergeleitet oder gar nicht erst beantwortet.
Ich bringe es immer wieder: Sagen wir, du berätst Akademikerinnen mit Kindern bei der Suche nach einem Teilzeitjob. Dasselbe Thema kann in vier völlig verschiedenen Ressorts landen – in der einen Redaktion unter Wirtschaft, in der nächsten unter Karriere, bei einer dritten als Hochschulthema unter Wissen und im Elternmagazin unter Familie. Ein Thema, vier Türen. Und für jede Tür formulierst du deinen Aufhänger ein bisschen anders.
Diese Zuordnung ist der Kern, um den es hier geht.
Hier geht es speziell um dich als Coach. Ein Gesetz ist die Tabelle nicht, aber sie erspart dir Wochen an vergeblichem Anklopfen:
| Coaching-Schwerpunkt | Naheliegende Medien | Beispiel | Warum |
|---|---|---|---|
| Karriere & Bewerbung | Wirtschaftspresse, Karriere-Magazine, LinkedIn | Karrierebibel | Deine Zielgruppe liest genau dort |
| Führung & Management | Führungs- und HR-Fachpresse, Wirtschaftsmagazine, Podcasts für Führungskräfte | Harvard Business manager | Entscheider sind die Leser |
| Gesundheit & Burnout | Frauenmagazine, Gesundheitsportale, Regionalmedien | Apotheken Umschau | Betrifft den Alltag sehr vieler Menschen |
| Beziehung & Familie | Elternmagazine, Frauenmagazine, Lokalzeitung | ELTERN | Lebt von persönlichen Geschichten |
| Business & Selbstständigkeit | Gründermagazine, Wirtschaftspresse, Podcasts | impulse | Zielgruppe: andere Selbstständige |
| Spiritualität & Sinn | Lifestyle-Magazine, Podcasts, Online-Magazine | Flow Magazin | Offene Formate bevorzugen weiche Themen |
Nimm dir eine Minute und schau, in welcher Zeile du steckst.
Und dann – wichtig – sei ehrlich zu dir: Landest du bei „überregionale Tageszeitung“, obwohl du noch nie irgendwo in der Presse warst? Dann fang dort an!
Die großen Namen kommen später von ganz allein, wenn du erst mal ein paar Veröffentlichungen vorweisen kannst.
Dass die Zuordnung funktioniert, zeigt Teresa Stockmeyer, Teamentwicklerin und agiler Coach aus Hamburg. Ihr Schwerpunkt Führung gehört genau dorthin, wo die Tabelle ihn verortet: in die Wirtschafts- und Fachpresse. Sie brachte Erfahrung und Referenzen mit, hat vorgearbeitet – Webseite, Über-mich-Bereich, ihre Themen geschärft – und dann ging es schnell. Nach vier Wochen kam die erste Anfrage der „Welt“, dazu ein Gastbeitrag in einem Branchenmagazin und Veröffentlichungen über die dpa. Ein gutes halbes Jahr später stand sie in „Süddeutsche“, „Handelsblatt“, „FAZ“ und „Stern“. Ihr Rezept passt exakt zu diesen Medien: Expertise, ein aktueller Anlass und ein überraschender, gern leicht provokanter Dreh. Aus ihrem Weihnachts-Pitch „Zu viel Harmonie im Team kann schädlich sein“ wurde so ein langer Artikel auf stern.de.
Woran merkst du, dass Medium und Thema nicht zusammenpassen?
Das Warnsignal ist fast immer dasselbe: Du müsstest deine Geschichte verbiegen, damit sie ins Medium passt.
Wenn du beim Formulieren merkst, dass du dein Thema künstlich aufblasen oder umlügen musst, damit es „relevant“ klingt, stimmt die Kombination nicht. Und Journalisten riechen das sofort.
Wie sofort, zeigt eine Zahl, die mich beim ersten Lesen nicht überrascht hat: Laut dem „State of Journalism“-Report von Muck Rack lehnen 73 Prozent der Journalisten einen Pitch allein deshalb ab, weil das Thema nicht in ihr Ressort passt. Das ist mit weitem Abstand der häufigste Ablehnungsgrund – noch vor schlechtem Timing oder fehlender Personalisierung. Übersetzt heißt das: Das falsche Medium killt deine Chance schneller als jede holprige Betreffzeile.
Drei Klassiker, die ich als Journalistin immer wieder im Posteingang hatte:
Zu abstrakt, kein lokaler Bezug. Die Lokalredaktion will nicht deine Bewerbungstipps, sie will die Person aus dem Stadtteil mit einer Geschichte. Ohne den Ortsbezug ist das für sie nichts.
Berührend, ehrlich, gut erzählt – und komplett am Publikum vorbei. Ein Wirtschaftsressort liest keine individuellen Leidenswege, es liest Zahlen, Studien, gesellschaftliche Einordnung. Die Geschichte gehört ins Frauenmagazin.
Deine Methode interessiert die Redaktion herzlich wenig (sorry, ist so). Die Geschichte dahinter aber – warum du sie entwickelt hast, was du selbst durchgemacht hast – die schon.
Wie es andersherum läuft, zeigt eine ehemalige Programm-Teilnehmerin, die ich in den sieben häufigsten Fehlern von Coaches in der Pressearbeit nenne: Sabine, eine Gesundheitscoachin, hat aufgehört, über ihre Methode zu reden, und den Redaktionen stattdessen handfeste Tipps geliefert. Auf einmal lief die Pressearbeit.
Merkst du das Muster? Es geht selten um dein Können und fast immer um die Passung.
Welches Medium passt zu dir? Der Selbst-Check in drei Fragen
Kurz gesagt:
Dein Ausgangspunkt ist das Medium, das deine Zielgruppe konsumiert – was du selbst gern liest, spielt hier keine Rolle.
Dazu das Thema, mit dem du am meisten zu erzählen hast. Diese drei Fragen bringen dich in fünf Minuten weiter als jede Stunde Recherche ins Blaue.
- Wer ist meine Zielgruppe – und was liest oder hört sie? Achtung, die Frage lautet nicht, was du gern liest. Wenn du Führungskräfte coachst, ist dein Wohlfühl-Podcast über Achtsamkeit vielleicht schön, aber deine Kunden hängen im Zweifel eher am Harvard Business manager oder an einem Leadership-Podcast. Geh dahin, wo sie schon sind.
- Was ist mein stärkstes Thema – und in welchem Ressort würde es landen? Wirtschaft? Gesundheit? Gesellschaft? Lokales? Wenn du das Ressort benennen kannst, hast du das Medium fast automatisch. Ein Thema, das in kein Ressort passt, ist übrigens ein Warnzeichen für sich – dann fehlt oft noch die Zuspitzung.
- Habe ich eine Geschichte oder eine Methode? Das ist die Frage, an der sich alles entscheidet. Methoden interessieren Journalisten selten. Geschichten fast immer. Wenn du bisher nur eine Methode hast, dann grab so lange, bis du die Geschichte darunter findest – die brauchst du sowieso. (Wie du aus deiner Erfahrung echtes Storytelling machst, steht ebenfalls im Blog.)
- Deine echte Geschichte: der Rückschlag, der ungewöhnliche Weg, das, was du selbst durchgemacht hast
- Konkrete, alltagstaugliche Tipps in einer Sprache, die die Leserin versteht
- Das Thema im passenden Ressort – und lokaler Bezug, wenn du regional pitchst
- Deine Methode anpreisen, statt die Geschichte dahinter zu erzählen
- Das Thema verbiegen, damit es künstlich „relevant“ klingt
- Dieselbe Mail an alle Ressorts: Fachjargon ins Frauenmagazin, Bewerbungstipps ohne Ortsbezug an die Lokalzeitung
Und jetzt?
Erinnerst du dich an Spiegel, FAZ, ZEIT vom Anfang? Die sind nicht das Problem.
Das Problem ist, dort anzufangen.
Wenn du erst mal weißt, welcher Medientyp zu dir passt und mit welchem Thema du in welches Ressort gehörst, hast du die eigentliche Denkarbeit hinter dir – und stehst nicht mehr mit dem falschen Angebot vor der falschen Tür.
Der nächste Schritt ist dann der Journalistenkontakt: die richtigen fünf bis fünfzehn Publikationen heraussuchen und sie so ansprechen, dass sie antworten.
Wie du das als Coach von A bis Z selbst in die Hand nimmst, ohne Agentur, steht im großen Praxis-Leitfaden – und die drei Regeln der Kontaktaufnahme habe ich dir extra aufgeschrieben.
Häufige Fragen
Die Fragen, die mir zu diesem Thema am häufigsten begegnen:
In welche Medien komme ich als Coach am leichtesten?
In Lokal- und Regionalmedien. Sie suchen ständig nach Menschen aus der Region mit einer persönlichen Geschichte und haben die niedrigste Hürde. Für den ersten Presseerfolg ist das fast immer der beste Einstieg – die überregionalen Namen kommen später.
Welches Medium passt zu meinem Coaching-Thema?
Das hängt vom Ressort ab, in das dein Thema gehört. Karriere und Business landen in der Wirtschafts- und Gründerpresse, Gesundheit und Beziehung in Frauen-, Eltern- und Gesundheitsmedien, weiche Sinn-Themen eher in Lifestyle-Magazinen und Podcasts. Wenn du das Ressort benennen kannst, hast du das Medium fast automatisch.
Sollte ich als Coach gleich die überregionale Presse ansprechen?
Wenn du noch keine Veröffentlichungen hast: lieber nicht. ZEIT, Süddeutsche und Handelsblatt erwarten gesellschaftliche Relevanz, Zahlen oder eine echte Ausnahmegeschichte. Als zweiter oder dritter Schritt sind sie realistisch, als erster fast nie.
Lohnen sich Podcasts für Coaches?
Ja, besonders wenn du gut erzählen kannst. Podcasts geben dir viel Redezeit und suchen Persönlichkeit statt glatter Statements. Für viele Coaches sind sie der dankbarste Kanal, weil hier Haltung und Erzähltalent mehr zählen als ein makelloser Lebenslauf.
Was interessiert Journalisten mehr – meine Methode oder meine Geschichte?
Fast immer die Geschichte. Methoden lassen sich schwer greifen und klingen schnell nach Werbung, während eine echte Erfahrung, ein Rückschlag oder ein ungewöhnlicher Weg sofort erzählbar ist. Nimm deine Methode als Beleg, aber führ mit der Geschichte.
Brauche ich eine PR-Agentur, um als Coach in die Presse zu kommen?
In den allermeisten Fällen nicht. Journalisten haben den direkten Kontakt zum Menschen mit der Geschichte lieber als den Umweg über eine Agentur – und für Selbstständige lohnt sich die Ausgabe selten. Mit der richtigen Medien-Auswahl und einem guten Pitch kommst du selbst weiter, als du denkst. Ob sich eine PR-Agentur für dich überhaupt lohnt, habe ich in einer eigenen Folge durchgespielt.
Du willst als Coach in die Presse?
Dann kannst du von uns erfahrenen Journalistinnen lernen, wie du deine Pressearbeit effektiv selber machst. Hier findest du alle Infos:
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